Biopatente
IG Saatgut fordert Stopp der Patentierung von Saatgut, Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln
Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, werden sowohl Landwirte als auch mittelständische Züchter und Verbraucher von schwerwiegenden Folgen betroffen sein. Wenn internationale Konzerne ihre Kontrolle über das Saatgut mittels Patenten ausbauen, entscheiden sie auch, welche Lebensmittel auf den Markt kommen und wie sie erzeugt werden. Insbesondere Landwirte geraten so in zunehmende Abhängigkeit von den Konzernen der Agrochemie und Saatgutindustrie. Aber auch die Züchtung wird zunehmend erschwert, weil der Zugang zu genetischen Ressourcen durch Patente blockiert wird. Dadurch werden Innovationen behindert, die dringend zur Sicherung der Welternährung benötigt werden.
Die IG Saatgut unterstützt den weltweiten Aufruf der Koalition „No Patents on Seeds“: Regierungen, Politikerinnen und Politiker sowie Patentämter müssen die Patentgesetze und die Praxis der Patentämter grundlegend ändern, um Patente auf Pflanzen und landwirtschaftliche Nutztiere auszuschließen.
Grundsatzfragen brauchen eine politische Entscheidung. Es reicht nicht, dass sich eine Handvoll Experten der Großen Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes damit allein befasst. Am 21. Juni haben sie zwei Präzedenzfälle behandelt: den Einspruch gegen die Patente auf Brokkoli und Tomate. Eine Entscheidung wird erst gegen Jahresende erwartet. Es ist zu befürchten, dass die Patente bestätigt werden.
In beiden Fällen geht es um die Frage, ob es sich bei den Patenten um “im Wesentlichen biologische Verfahren” handelt und sie damit gegen das europäische Patentabkommen verstoßen. Bei den Patenten geht es nicht um gentechnisch veränderte Organismen, sondern um konventionell gezüchtete Pflanzen. Beide Patente umfassen die gesamte Produktionskette – vom Zuchtverfahren bis zu Saatgut und Lebensmittel. Die Patentinhaber erhalten damit die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittel- und Saatgutproduktion. Beim Tomaten-Patent werden auch wilde Tomaten- Unterarten beansprucht, die mit handelsüblichen Tomaten gekreuzt werden, um so Früchte mit geringerem Wassergehalt hervorzubringen. Beim Brokkoli-Patent geht es um den Anspruch auf ein im Rahmen der konventioneller Züchtungsschritte eingesetztes markergestütztes Selektionsverfahren, mit dem die Anteile an Glucosinolaten (angeblich krebshemmend) in den Pflanzen ermittelt werden sollen.
Mehr Informationen (zur Demonstration und zur Verhandlung):
Sueddeeutsche Zeitung, 20.7.2010, Die Anfertigung des Brokkolis
Sueddeutsche Zeitung, 19.7.2010, “Die Schrumpeltomate ist nur der Anfang”
Hintergrundinformationen zum Thema:
no patents on seeds
Informationsdienst Gentechnik
Einen informativen Artikel aus der Schweizerischen Wochenzeitschrift woz findet man hier: woz-Artikel zum Brokkoli-Patent


Wie sich Patente auf Pflanzen auswirken …
Informationen zur Studie
Durch GVO bereits bedrohte Kulturpflanzen:

Tomaten
Bis 2003 gab die Universität von California Davis versehentlich gentechnisch verunreinigte Saatgut-Proben weiter.
