Informationen - Positionen
Hier finden Sie Stellungnahmen, Offene Briefe, Kommentare und Hintergrundpapiere der IG Saatgut. Sie sind geografisch geordnet.
Europa
IG Saatgut fordert Stopp der Patentierung von Saatgut, Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln
Die IG Saatgut unterstützt den weltweiten Aufruf der Koalition „No Patents on Seeds“: Patente auf Pflanzen und Tiere müssen gestoppt werden. Von der Großen Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes wurden am 20. Juni 2010 zwei Präzedenzfälle behandelt: der Einspruch gegen die Patente auf Brokkoli und Tomate.
EU-Saatgutgesetze: Monopolisieren oder gentechnikfreie Vielfalt fördern?
Am 18. März 2009 fand in Brüssel die Konferenz der EU-Kommission „zur Sicherstellung der Saatgutverfügbarkeit im 21. Jahrhundert statt – als Teil der bis 2011 laufenden Überarbeitung der Saatgutverkehrsgesetze.
Die in Brüssel ausstehenden Entscheidungen zum Saatgut betreffen unser aller Ernährung. Deshalb startet die Kampagne „Zukunft säen – Vielfalt ernten” eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit.
Gentechnik-Entscheidungen in Brüssel
Berlin, 13.02.2009 Ein breites Bündnis von Umwelt- und Verbraucherverbänden, kirchlichen Organisationen und Verbänden des Ökologischen Landbaus verlangt von der deutschen Bundesregierung Farbe zu bekennen: Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) werden aufgefordert, gegen die Zulassung neuer Gentechnik-Maissorten („Bt 11“ und „1507“) durch die EU zu stimmen. Gleichzeitig will die EU-Kommission die Mitgliedstaaten, die den Anbau des gentechnisch veränderten Mais MON 810 aus wissenschaftlichen Gründen nicht genehmigten, zwingen diesen zu erlauben. Auch hier verlangen die Verbände von den federführenden Ministerien, im jeweiligen Ministerrat gegen die Ansinnen der Kommission zu stimmen.
» Verbändebrief an Ministerin Aigner» Verbändebrief an Minister Gabriel

Gentechnikfreies Saatgut erfordert null Kontamination
Der EU-Ministerrat hat am 4. Dezember 2008 “einen Freifahrtschein für schleichende Kontamination” empfohlen: Die europäische Kommission soll bis zu einem Grenzwert versteckte gentechnisch veränderte Verunreinigungen in gentechnikfreiem Saatgut erlauben. Die IG Saatgut hat die zuständige deutsche Landwirtschaftsministerin Aigner und Umweltminister Gabriel im Vorfeld der Entscheidung in einem gemeinsamen Brief aufgefordert, für die konsequente Reinhaltung des Saatgutes bezüglich gentechnisch veränderter Anteile abzustimmen.
» Was verheimlichte GVO-Anteile im Saatgut bedeutenKoexistenz gefährdet gentechnikfreies Saatgut
Durch die sogenannte “Koexistenz” sehen sie sich die Mitglieder der IG Saatgut besonderen Gefahren ausgesetzt:
- » Stellungnahme zur Koexistenz (29.3.2006)
Amflora – Anbau 2010 möglich
EU-Kommission lässt gentechnisch veränderte Kartoffel zu
Die neue EU-Kommission hat am 2. März die Gentechnik-Kartoffel Amflora der Firma BASF zum Anbau zugelassen. Es ist die erste Anbauzulassung in der EU seit 1998. Nicht nur aus der Bevölkerung gab es viel Protest, auch offizielle Organisationen wie die EU-Arzneimittelbehörde und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatten Bedenken. Denn die Kartoffel enthält ein Resistenzgen gegen ein Antibiotikum, das auch in der Humanmedizin genutzt wird. Das Risiko wird durch den Zulassungsantrag deutlich: Zwar soll die Kartoffel nicht als Lebensmittel verwendet werden, Verunreinigung in Lebensmitteln sollen aber toleriert werden. Gentechnisch veränderte Organismen sind eben schwer kontrollierbar und wer Gentechnik anbaut, soll so vor Haftungsansprüchen geschützt werden. Ob außer der BASF überhaupt jemand Interesse am Anbau der Amflora hat, ist fraglich. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt den Anbau ab, außerdem gibt es längst gentechnikfreie Alternativen: Die Firma EUROPLANT hat eine konventionelle Kartoffel entwickelt, die vergleichbare Eigenschaften hat, sich also hervorragend für die Stärkeproduktion eignet.
Vorschlag für Sommer 2010 geplant
Nationale Anbauverbote in der EU
Die Europäische Kommission hat ihre Absicht angekündigt, noch im Sommer 2010 einen Vorschlag vorzulegen, der den Mitgliedstaaten mehr Entscheidungsfreiheit in der Frage des Anbaus gentechnisch veränderter Sorten lassen soll. John Dalli, Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, wurde von Präsident Barroso bereits im September 2009 gebeten, dazu einen Vorschlag zu unterbreiten. Es wird darum gehen, ob die Mitgliedstaaten in ihrem jeweiligen Hoheitsgebiet gentechnisch veränderte Sorten anbauen wollen oder nicht.
» Presseerklärung der EU-KommissionEU-Kommission bewilligt Import und Verarbeitung einer neuen Gentechnik-Maissorte
Aufgabe der Nulltoleranz bei Futtermitteln?
Ein weiterer Gentechnik-Mais (MIR 604) der Firma Syngenta ist am 30.11 von der EU-Kommission zum Import und zur Verarbeitung zugelassen worden. Mitte November konnte sich der EU-Ministerrat nicht auf eine einheitliche Position einigen. Damit lag die Entscheidung bei der Kommission. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner stimmte für die Zulassung. Die Futtermittel- und Agrarindustrie übten dabei mächtig Druck aus. Denn wenn der Mais in der EU nicht zugelassen ist, gilt für den Import die Null-Toleranz. Das heisst, dass auch mit geringen Spuren verunreinigte Lieferungen an der Grenze zurückgewiesen werden müssen. Die Futtermittelindustrie spricht daher von einer drohenden Futtermittelknappheit, die Europa drohe, wenn Gentechnik-Sorten, die in den USA angebaut werden, in der EU nicht zugelassen sind.
Kostspielige Gentechnik
Neues Hintergrundpapier zu den betriebs- und volkswirtschaftlichen Dimensionen der Gentechnik
Erst vor wenigen Tagen hat die EU-Kommission drei neue gentechnisch veränderte Maisvarianten für die Einfuhr nach Europa zugelassen. Doch ist bis heute wissenschaftlich nicht gesichert, wie sich die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen langfristig auf Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft auswirkt. Der NABU und andere Umweltverbände bezweifeln, dass die geschönte Rechnung der Biotechnologie-Industrie aufgeht. Wenn betriebswirtschaftliche Auswirkungen und gesellschaftliche Risiken eingerechnet wüden, könnte der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen den Menschen und der Wirtschaft mehr schaden als nutzen. Die Folgen des Gentechnik-Einsatzes würden in Deutschland und den meisten EU-Ländern weitgehend ausgeblendet. Landwirten beispielsweise entstünden erhebliche Zusatzkosten, um Kontaminationen durch genmanipulierte Pflanzen zu vermeiden.
Gentechnikfreie Regionen mit EU-Recht vereinbar
Neues Rechtsgutachten stärkt Bewegung der GVO-freien Regionen
Das EU-Recht ermöglicht das Errichten von verbindlich geltenden gentechnikfreien Regionen. Dies ist das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, welches von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegeben wurde. Schon jetzt verzichten 30.000 Landwirte freiwillig auf den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die bestehenden gentechnikfreien Zonen in Europa umfassen ca. 1 Mio. ha Ackerfläche.


Mitmachen: hier & jetzt
Durch GVO bereits bedrohte Kulturpflanzen:

Tomaten
Bis 2003 gab die Universität von California Davis versehentlich gentechnisch verunreinigte Saatgut-Proben weiter.
